Produktbeschreibung
„In meiner frühen Jugendzeit verbrachte meine Familie die Sommerferien bei meiner Grossmutter und meiner Tante im Tessin. In dem kleinen Bergbauernbetrieb meiner Tante gab es immer viel zu tun, deshalb wurde aus meinen Sommerferien schnell ein Arbeitscamp. Kaum waren wir angekommen, wurden auch schon die diversen Arbeiten verteilt.
Bei schönstem Sonnenschein zu heuen, anstatt im nahe liegenden See baden zu gehen, das passte mir gar nicht. Also erklärte ich, dass ich mich nicht wohl fühle und in letzter Zeit oft Bauchschmerzen habe. Früher lebten die Leute noch im Einklang mit der Natur und nur selten griff man zur Chemie, wenn man sich nicht wohl fühlte. So meinte meine Tante auch in diesem Fall:
„Kein Problem, das werden wir rasch in den Griff bekommen. Leg dich ins Bett, dann werde ich dir ein 'Wundermittel' bringen, das dich schnell wieder auf die Beine bringt!“
Nach einer Weile kam sie mit einem geheimnisvollen Fläschchen, einem Löffel und einem Schokoladenriegel bewaffnet in mein Zimmer. Zuerst zeigte sie mir nur die Schokolade.
„Die bekommst du, wenn du schön brav den Mund aufmachst und den Inhalt des Löffels schluckst“, versprach sie mir.
„Was ist das?“ wollte ich vorsorglich wissen.
„Das ist olio di ricino e fa bene per purgare!” Ein wohltuendes Abführmittel! Ein Wunder - und Allerweltsheilmittel, doch riechen täte es nicht sehr gut, deshalb solle ich mir die Nase zuhalten und rasch hinunterschlucken, erklärte sie mir. Ich liess mich überlisten, doch es war das erste und letzte Mal. Dieses eklige, ölige, widerliche Zeug haftete noch lange im Gaumen und selbst die Schokolade konnte den Brechreiz nicht lindern, der mich überkam. Liebevoll lächelte die Tante, deckte mich zu und zeigte grosses Verständnis für die Grimassen die ich jetzt schnitt. Sie habe extra den schönsten Nachttopf aus Glas für mich bereitgestellt. Den würde ich wohl in den nächsten Stunden gebrauchen.
„Ein Nachttopf? Ich bin doch kein Baby mehr!“, krächzte ich nach Luft schnappend.
„Doch, doch, zwei Treppen hinunter bis zum WC, da bleibt keine Zeit mehr, wenn's pressiert!'“, belehrte sie mich.
Ich möchte jetzt nicht näher auf die Regungen eingehen, die mich in den darauf folgenden Stunden umtrieben. Nur soviel, ich glaubte, ich hätte sämtliche Teufel des 'Purgatorios' (Fegefeuers) in meinen Därmen und die würden dort den grossen Endkampf vor dem jüngsten Gericht abhalten. Nun hatte ich wirklich ein Bauchproblem, und ich war nicht mehr Herr der Lage... Böse schaute ich zur Flasche hinüber. Die Bestimmung des restlichen Öls in der Flasche war ja, dass es schliesslich im Nachttopf landet. Warum also den komplizierten Weg durch mich hindurch? Das kann man doch direkt tun. gesagt, getan! Und der ganze Inhalt der Flasche ergoss sich in den Nachttopf. Ja, sogar die Flasche thronte jetzt mitten im Nachtgeschirr. Als meine besorgte Tante etwas später nach mir schaute, entdeckte sie die Bescherung... Bevor sie etwas sagen konnte, erklärte ich ihr:
„Siehst du, nicht einmal die Flasche konnte diesen fürchterlichen Inhalt zurück halten. Auch sie bekam Liquiditätsprobleme und musste aufs Töpfchen!“
Sandro Del-Prete
Bei schönstem Sonnenschein zu heuen, anstatt im nahe liegenden See baden zu gehen, das passte mir gar nicht. Also erklärte ich, dass ich mich nicht wohl fühle und in letzter Zeit oft Bauchschmerzen habe. Früher lebten die Leute noch im Einklang mit der Natur und nur selten griff man zur Chemie, wenn man sich nicht wohl fühlte. So meinte meine Tante auch in diesem Fall:
„Kein Problem, das werden wir rasch in den Griff bekommen. Leg dich ins Bett, dann werde ich dir ein 'Wundermittel' bringen, das dich schnell wieder auf die Beine bringt!“
Nach einer Weile kam sie mit einem geheimnisvollen Fläschchen, einem Löffel und einem Schokoladenriegel bewaffnet in mein Zimmer. Zuerst zeigte sie mir nur die Schokolade.
„Die bekommst du, wenn du schön brav den Mund aufmachst und den Inhalt des Löffels schluckst“, versprach sie mir.
„Was ist das?“ wollte ich vorsorglich wissen.
„Das ist olio di ricino e fa bene per purgare!” Ein wohltuendes Abführmittel! Ein Wunder - und Allerweltsheilmittel, doch riechen täte es nicht sehr gut, deshalb solle ich mir die Nase zuhalten und rasch hinunterschlucken, erklärte sie mir. Ich liess mich überlisten, doch es war das erste und letzte Mal. Dieses eklige, ölige, widerliche Zeug haftete noch lange im Gaumen und selbst die Schokolade konnte den Brechreiz nicht lindern, der mich überkam. Liebevoll lächelte die Tante, deckte mich zu und zeigte grosses Verständnis für die Grimassen die ich jetzt schnitt. Sie habe extra den schönsten Nachttopf aus Glas für mich bereitgestellt. Den würde ich wohl in den nächsten Stunden gebrauchen.
„Ein Nachttopf? Ich bin doch kein Baby mehr!“, krächzte ich nach Luft schnappend.
„Doch, doch, zwei Treppen hinunter bis zum WC, da bleibt keine Zeit mehr, wenn's pressiert!'“, belehrte sie mich.
Ich möchte jetzt nicht näher auf die Regungen eingehen, die mich in den darauf folgenden Stunden umtrieben. Nur soviel, ich glaubte, ich hätte sämtliche Teufel des 'Purgatorios' (Fegefeuers) in meinen Därmen und die würden dort den grossen Endkampf vor dem jüngsten Gericht abhalten. Nun hatte ich wirklich ein Bauchproblem, und ich war nicht mehr Herr der Lage... Böse schaute ich zur Flasche hinüber. Die Bestimmung des restlichen Öls in der Flasche war ja, dass es schliesslich im Nachttopf landet. Warum also den komplizierten Weg durch mich hindurch? Das kann man doch direkt tun. gesagt, getan! Und der ganze Inhalt der Flasche ergoss sich in den Nachttopf. Ja, sogar die Flasche thronte jetzt mitten im Nachtgeschirr. Als meine besorgte Tante etwas später nach mir schaute, entdeckte sie die Bescherung... Bevor sie etwas sagen konnte, erklärte ich ihr:
„Siehst du, nicht einmal die Flasche konnte diesen fürchterlichen Inhalt zurück halten. Auch sie bekam Liquiditätsprobleme und musste aufs Töpfchen!“
Sandro Del-Prete


